Die EGM-Plauderstunde mit Miyamoto-san

News vom 23-07-05
Uhrzeit: 17:47
Wenige Ausschnitte des interessanten EGM Interviews mit Shigeru Miyamoto haben wir euch schon in der Revolution News geliefert - den Rest gibt es jetzt serviert:
 
Natürlich darf die Frage nach seinem Revolution Projekt nicht fehlen - ebenso ist die Antwort vorherzusehen: "Wir wollen neue Projekte, welche die Funktionalität des neuen Systems verinnerlichen. Ich will mich auf etwas konzentrieren, das wirklich einzigartig ist - aber weil es einzigartig ist, ist es noch zu früh, um darüber zu sprechen. Solange das Interface nicht angekündigt wurde, kann ich nicht darüber sprechen."
 
Ok, Revolution Projekt hatten wir - Mario 128 ist an der Reihe: Die Jungs der EGM sprechen ihn auf ein zwei Jahre altes Interview an, wo er noch sagte, wenn Mario 128 nicht im nächsten Jahr gezeigt wird, betrachte er sich als Versager. Miyamoto erklärte darauf, dass er u.a. durch Projekte wie Donkey Kong: Jungle Beat etwas abgelenkt wurde - gestand aber, dass das "Spiel" immer noch in der Konzept-Phase steckt - ein Game Design dazu wurde noch nicht gefunden. So tausche man derzeit auch Ideen mit dem Super Mario Sunshine Team aus, um sich dann auf eine möglichst interessante Richtung für Mario festzulegen. Der Name "Mario 128" stammt noch aus der GameCube Zeit, als man in Anspielung auf Mario 64 darauf hinweisen wollte, dass man etwas komplett Neues erarbeitet - egal ob der Name noch länger hängen bleibt: Sie entwickeln an einem neuen Mario für Nintendo Revolution.
 
Erneut wird Miyamoto angesprochen, ob Connectivity ein Fehler war: "Connectivity war eine sehr interessante Idee. Ich glaube noch immer, dass es eine sehr interessante Idee ist. Unglücklicherweise wurde die Idee dem Endkunden gegenüber nicht so gut kommuniziert. Das ist zu schade - ich wünschte, wir hätten das besser gemacht. Teil des Problems waren die Hürden, die man überwinden musste, bevor man das Ganze tatsächlich ausprobieren konnte. Die Konsumenten dachten Dinge wie 'Wie verbinde ich die zwei Geräte?', 'Das klingt wirklich kompliziert', 'Ich kann nicht auf beide Bildschirme zur gleichen Zeit schauen' und so weiter. Mit dem DS haben wir einige dieser Probleme gelöst: Wer den Nintendo DS kauft, hat zwei Bildschirme, hat das Mikrofon, die Wireless-Verbindung. Alles eingebaut, sodass sich der Spieler sich um nix sorgen muss.
 
Gefragt, ob man das Konzept mit dem DS und Nintendo Revolution per WiFi wieder aufnehmen will: "Wir interessieren uns nicht für alles, was Nintendo Revolution tun kann. Wir wollen nicht, dass die Entwickler Spiele auf der Basis dessen bauen, was Nintendo Revolution tun kann, sondern auf Basis dessen, was interessant ist - also die Funktionalität zu ihrem Vorteil einzusetzen. Das Ganze wird also da enden, wo der Entwickler denkt, dass es das Beste für sein Spiel ist. Der Schwerpunkt von Revolution ist es, eine Konsole zu gestalten, die es den Game Designern erlaubt, einzigartige, interessante Spielerlebnisse zu erschaffen, die Spaß machen, statt sich in erster Linie auf super Grafik oder etwas in der Art zu konzentrieren.
 
Doch nun genug der Revolution-Ideen; Zeit etwas privat zu werden:
 
Miyamotos typischer Arbeitstag sieht so aus: Er steht morgens zwischen 7 und 9 Uhr auf - je nachdem, doch selten liegt er länger als bis um neun im Bett. Dann geht es bis mindestens 22 Uhr zur Arbeit - mit dem Fahrrad - manchmal wird es auch schon mal 1 Uhr, bis er sich wieder zuhause befindet. Die meiste Zeit verbringt er damit, zwischen den verschiedenen Teams hin und her zu laufen. Viel Arbeit geben wöchentliche Meetings mit allen Producern dieser Titel, um den Fortschritt zu kontrollieren und zu entscheiden, ob sie auf dem richtigen Weg sind oder ob man etwas abändern muss. Dann fallen Meetings mit seinem Boss, Saturo Iwata an, um sich über Revolution auszutauschen oder Meetings mit der PR-Abteilung, um über Werbung und Marketing zu sprechen - und wie sich das mit den kommenden Produkten vereinbaren lässt. Das beansprucht einen großen Teil seiner Zeit.
 
Am liebsten mag er die Zusammenarbeit mit den Teams, wenn ihr mit ihnen trifft und über die Fortschritte spricht - seit Iwata Präsident wurde, konnte er viele ungeliebte Management-Angelegenheiten abgeben und ist froh, für die Entwicklungsarbeiten wieder mehr Zeit zu haben.
 
Auf die Frage, was die Familie von seinem Job hält: "Ich habe zwei Kinder: Eines ist im College und eines in der High School. Unglücklicherweise wissen beide, wo sie im Internet suchen müssen, wenn ich Messen wie die E3 besuche und da etwas Peinliches mache *lacht* (eine kleine Anspielung an den E3-Auftritt 2004 im Link-Outfit). Ich versuche mein Privatleben und meine Arbeit, so gut es geht, zu trennen. Zuhause hab ich ein fröhliches Leben."
 
"Meine Frau hat nie etwas von Spielen gehalten - noch nicht mal Tetris oder so. Aber bei Nintendogs hat sie voll erwischt. Im Wohnzimmer liegen nun drei DS auf dem Tisch - alle dazu, etwas mit den virtuellen Hunden zu machen. Ihr fragt euch sicher, wieso nur drei Nintendo DS in einem Vier-Personen Haushalt - das bei einem großen Tier von Nintendo? Die Wahrheit ist: Mein Vater hat einen geklaut! *lacht* Er hat sich einen genommen und spielt nun DS Brain Training für Erwachsene. Im Vergleich zu früher sind Videospiele nun wirklich populär in unserem Haushalt. Ich hoffe, wir können eine ähnliche Reaktion mit Revolution bekommen - Ich glaube wirklich, dass wir da nah dran sind!"
 
Auf die Frage, ob eines seiner Kinder in seine Fußstapfen treten will: "Meine Tochter mag Videospiele wirklich sehr gerne, aber sie hat keine Absicht, das Gleiche wie ich zu tun. Mein Sohn interessiert sich mehr für Werbung oder Design - aber nicht im Bezug auf Spiele."
 
Über die Entstehung von Nintendogs: "Seit wir selbst einen Hund haben, treffen wir oft andere Hundebesitzer. Von Jung bis Alt - einen Hund zu haben hat unseren Freundes- und Bekanntenkreis erweitert. Wenn man ohne Hund die Straße entlang läuft, muss man nicht anhalten und mit den Passanten sprechen. Ist man aber mit dem Hund unterwegs, und die Hunde sehen sich gegenseitig, hält man in der Regel an und tauscht sich über die Hunde aus. Und ich dachte mir, das ist wirklich ein interessantes Kommunikations-Phänomen - Tierhalter sprechen untereinander. Wäre es nicht interessant, wenn die Hunde eine Art Gerät an ihrem Halsband hätten, welches gegenseitig Informationen austauscht, wenn sie sich treffen - wie bei Visitenkarten? 'Hi, ich bin Fido.' 'Hi, ich bin Spot.' Wir verwendeten den GameCube, um einen Prototypen des Hunde-Spiels zu machen. Auf dem GameCube hatten wir natürlich grossartige Grafik - wirklich realistisch, wirklich toll aussehende Hunde - doch das war der Moment, als wir das Projekt stoppten.
Ich schaute mir die Funktionalität des Nintendo DS an mit dem Touch Screen, dem Mic für Spracherkennung und den kabellosen Kommunikationsmöglichkeiten. 'Moment mal! Das ist die perfekte Hardware für dieses Stück Software!', sagte ich zu mir selbst. Während diesen Gesprächen diskutierte ein jüngerer Director über seine Idee von einem Spiel mit einem Papagei. Seine Idee war mit dem Papagei zu sprechen und er spricht dann zurück. Doch als wir über Lokalisierungsangelegenheiten nachdachten - Englisch für Amerika und dann Europa, wo es fünf Sprachen sind - da klang es einfach nach zu viel Aufwand. Aber wenn wir ein Spiel machen würden, welches die eigene Stimme aufnimmt und diese wiederverwendet, wäre keine Lokalisation notwendig. Also sagte ich zum Director: 'Papageien sind nett. Lass uns Hunde verwenden!' *lacht* Offensichtlich war der Director wirklich glücklich, dass seine Idee noch am Leben ist und verschmolzen mit meiner Idee, war es sogar noch besser!"
 
Zum Abschluss gab es noch kurze Zitate von Miyamoto-san:
 
Smash Bros kommt für Nintendo Revolution - was ist mit dem DS: "Wir denken darüber nach"
 
Luigi's Mansion - bleibt es bei dem einen Spiel oder wird es weitere geben? "Der Director (Hideki Konno) sagt mir oft: 'Mach ein weiteres! Mach ein weiteres!' Und ich möchte Luigi wieder verwenden."
 
Chancen für ein neues Pikmin: "Noch ist nichts in Stein gemeißelt, aber das Interface, welches wir für Nintendo Revolution entwickelt haben, ist ideal für Pikmin - ich denke, es wäre eine gute Kombination. Mehr als das kann ich nicht sagen."
 
Werden wir jemals wieder etwas von Stage Debut (eine Techdemo, wo man u.a. sein Gesicht für eigene Charaktere verwenden konnte und per e-Reader auch das Gesicht von Iwata und Co. einlesen konnte) sehen? "Yeah, ich will damit etwas machen"
 
Was denkt er über Nostalgie-Produkte seiner alten Kreationen? "Sehe ich gerne, solange die Qualität stimmt und die Produkte gut sind. Es ist schmeichelhaft. In Japan gibt es eine Gruppe, die nennt sich Tongari Kids - die haben einen Rap-Song (Anmerkung: Nach Probehören klingt es mehr nach Techno) namens B-Dash, welcher alte Mario Sounds verwendet. Dieser ist zurzeit wirklich populär und es wird viel darüber geredet."
 
Wenn er nur einen Charakter aus einem brennenden Gebäude retten könnte - Mario, Link oder Donkey Kong - welchen würde er retten? "*überlegt eine Weile* Also, wenn ich Link retten würde, bin ich mir sicher, dass es die beiden Anderen selbst rausgeschafft hätten. *lacht*" Und Link hätte es nicht selbst raus geschafft? "Er ist zu süß - ich müsste ihm einfach helfen"
 
In ihren Spielen kommt oft auch Gewalt vor - doch immer auf eine alberne, comichafte Art und Weise. Würden sie jemals ein wirklich gewaltsames resp. "Ab 18"-eingestuftes Spiel machen? "Also, wenn Gewalt ein Schlüsselelement der Spiel-Idee wäre, hätte ich kein Problem damit, ein solches Spiel zu machen. Aber ich will kein Spiel machen, nur um der Gewaltes Willen wegen, wo die Gewalt der Teil des Spiels ist, der Spaß macht."
 
Zwei Spiele, die er gerne selbst erfunden hätte:
  • Seaman (Sega - DC) - "Ich mag gut entwickelte Konzepte. Ich denke Yoot Saito ist gut darin." (er arbeitet gerade am abgefahrenen mittelalterlichen Flipper-Spiel Odama)

  • Katamari Damacy (Namco - PS2) - "Wirklich einzigartig und gut ausgeführt"
Die grösste Entäuschung aller seiner Spiele:
Das zuletzt meist gespielte Spiel:
Wenn er nur drei Spiele von der Virtuellen Konsole downloaden könnte:
  • Super Mario World (SNES - Nintendo)
  • Legend of Zelda: a Link to the Past (SNES - Nintendo)
  • Star Fox 64 (N64 - Nintendo)
So, das war's vom Electronic Gaming Monthly Interview mit Miyamoto-san.

 Autor:
Thomas Theiler 
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Kommentar von ogott
[23-07-2005 18:25] 
eine kleine Anspielung an den E3-Auftritt vor 2 Jahren im Link-Outfit
das war letztes jahr... nachdem der NDS präsentiert wurde.
Kommentar von Zero_Demon
[23-07-2005 18:31] 
ZITAT: Der Schwerpunkt von Revolution ist es, eine Konsole zu gestalten, die es den Game Designern erlaubt, einzigartige, interessante Spielerlebnisse zu erschaffen, die Spaß machen, statt sich in erster Linie auf super Grafik oder etwas in der Art zu konzentrieren. Meine Meinung: Alles schön und gut. Ich glaube auch, dass Nintendo großartige Spiel machen könnte,ABER ich glaub nich das die Dritthersteller bereit sind
Kommentar von Ash
[23-07-2005 18:33] 
hatte Miyamoto nicht mal gesagt er würde bloss Spiele für die ganze Familie machen? Wo die Eltern ein gutes Gewissen haben, oder so? ;)
Kommentar von J!ndu
[23-07-2005 18:55] 
ogott: schreib der EGM nen Leserbrief ^^ Die E3 liegt mehr als ein Jahr zurück :P
Kommentar von kay
[23-07-2005 19:20] 
Ach ja,ich mag den Mann irgendwie^^
Kommentar von ProtoMan
[23-07-2005 19:24] 
Danke für's Übersetzen, das freut faule Menschen wie mich. ;) Hat Spaß gemacht zu lesen!
Kommentar von CoolS
[23-07-2005 19:56] 
Besonders cool fand ich seinen tagesablauf. Und der Mann fährt Fahrrad, das ist ja wohl mal rulig
Kommentar von Silley
[23-07-2005 20:08] 
das mit dem fahrrad ist in japan aber fast standard. würdest du auch, wenn die garage deines autos 4km weit weg ist ;)
Kommentar von J!ndu
[23-07-2005 20:52] 
So, noch etwas das wichtige markiert - und B-Dash den Downloads hinzugefügt. Eine Übersetzung des Lyrics gibts btw. ebenfalls.
Kommentar von krümel
[24-07-2005 10:00] 
Hätte gerne Bilder von Nintendogs on GameCube gesehen ;(
Kommentar von ogott
[24-07-2005 13:04] 
@ J!ndu: ich mein ja nur... und ja, sie liegt mehr als ein jahr zurück, aber auf keinen fall zwei jahre!
btw: schräge lyrics von dem lied...
Kommentar von J!ndu
[24-07-2005 14:06] 
klar, hast ja recht - ich hab halt einfach nur übersetzt - steht im Original auch so. Aber habs beim Überarbeiten dann auf die Jahreszahl abgeändert und ja, der Text ist mehr als schräg - passt zum ganzen Song. Der ist btw. schon seit über 12 Wochen in den japanischen Charts - anfang Monat war er sogar bis auf Platz 4 vorgestossen ^^
Kommentar von Ohrbesen
[25-07-2005 22:40] 
Jindu besorg bitte mal das Video zum Song; du kannst sowas doch sicher...:p
Content @ GU