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Motoi Sakuraba - Till the End of Time

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Eines sei vorweg gesagt, Motoi Sakuraba ist unter Gamemusic Fans nicht unumstritten, seine Werke polarisieren bisweilen. Kritiker werfen ihm großflächiges Recycling vor, Sakuraba klaut von Sakuraba und das nicht zu knapp. Fakt ist, dass er einen eigenen (und eigenwilligen) Stil entwickelt hat, den man recht leicht "heraushören" kann. Gewisse Tonabfolgen, Melodien, Stilmittel (z.B. Chorale) und Instrumentationen (z.B. E-Gitarren in Dungeonthemes) ziehen sich quer durch alle seine Schaffensperioden, angefangen bei seinem ersten Studioalbum "Baroque in the Future", bis hin zu aktuellen Titeln. Das führt bisweilen zu so paradoxen Details, dass ein Musikstück aus Mario Golf 64  einer Stadtmusik in Tales of Phantasia erstaunlich ähnlich klingt. Dem könnte man aber entgegenhalten, dass auch andere Gamemusic-Komponisten dazu neigen, bewusst (oder unbewusst) immer wieder Anklänge an altbekannte Tunes zu liefern (z.B. sind Nobuo Uematsus Final Fantasy-Sujets legendär). Weiters wird von Kritikern bemängelt, dass sich Sakuraba immer wieder im Ton vergreife, rockende Elektrogitarren und knackige Drums in einem Rollenspiel seien eben nicht geschmacksneutral und mitnichten jedermanns Sache. Auch der penetrante, manchmal bis zur Dissonanz ausartende Einsatz nicht ganz ohrenfreundlicher Syths in vereinzelten Musikstücken hat ihm immer wieder heftige Kritik eingebracht. Andererseits sind es gerade jene streitbaren Eigenschaften, welche Sakurabas Fans als seine größten Stärken anführen. Seine Arrangements sind oft ungewöhnlich, er mischt Klassik (als Vorbild nennt er Bach), Rock und Synth zu einer sehr eigenwilligen Klangkulisse, eine Performance, die sich wesentlich von jener der Konkurrenz unterscheidet. 
Dass alle seine Soundtracks gleich klingen, ist ein etwas polemischer Vorwurf. So ist der Sound in den Tales of... Games doch ganz anders als jener der konkurrierenden Star Ocean Reihe. Vielmehr richtig ist, dass Sakuraba eine gute Hand für energetische (Kritiker meinen: chaotische) und eingängige Battlethemes hat, nicht selten finden sich überdurchschnittlich viele (fünf bis acht) davon in ein und demselben Spiel. Ebenso schätzen Fans die nicht minder kraftvollen Dungeonthemes, die mit ihren rockigen Untertönen etwas an die legendären Ys games der aus dem Hause Nihon Falcom erinnern. Nicht selten verwöhnt Sakuraba die Ohren der Spieler auch mit gediegenen, sanften Tönen, in Baten Kaitos finden sich z.B. Anklänge an Yasunori Mitsudas Chrono Cross OST (akustische Gitarren und Violine!). Dass es ihm an Vielseitigkeit mangelt, kann also nicht behauptet werden, im Gegenteil: Sakuraba ist immer wieder für einen originellen Mix an Instrumenten und Melodien gut. Dass er hin und wieder Elemente recycelt, und die Performance hie und da nicht die Qualität seiner besten Stücke erreicht, sei ihm in Anbetracht der Fülle seines Schaffens und der Komplexität mancher seiner Kompositionen herzlich verziehen. Motoi Sakuraba wird seiner Arbeit auf jedem Fall treu bleiben und das ist auch gut so.
 Autor:
Alfred Fank
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