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Der Maler bei Nintendo - Shigeru Miyamoto

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Die Erfüllung alter Träume
1993 erfüllte sich Miyamoto mit "Star Wing" (SNES) dann einen lang gehegten Traum: Endlich eine Space Oper im Stil der "Star Wars" Filme zu kreieren. Nicht umsonst gehört George Lucas zu seinen Lieblingsregisseuren (auch wenn er bei Miyamotos Lieblingsfilm, „Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes“, „nur“ als Scriptwriter und Producer beteiligt war). Doch es gab mehrere Elemente des in Zusammenarbeit mit "Argonaut" entwickelten Spieles, die Miyamoto nicht ausreichend zufrieden stellten. Vor allem die recht träge Steuerung (bedingt durch die Fähigkeiten des SNES bzw. des FX Chips) und die sehr schwierigen Formationsflüge kritisierte er auch am fertigen Produkt stark und auch mit der Cockpitperspektive konnte er sich niemals anfreunden. Dies erklärt auch, warum Miyamoto einige Jahre später mit Lylat Wars keinen eigentlichen Nachfolger, sondern seine ursprüngliche Vorstellung des Konzeptes vorlegte.
Einen der größten Wünsche erfüllte sich der Meister 1996 mit Super Mario 64: Schon immer wollte er mit seinen Spielen das Gefühl eines riesigen Vergnügungsparks vermitteln, dessen Attraktionen niemals langweilig werden sollten. Genau dieses Vorhaben setzte Miyamoto mit seiner ersten Arbeit als offizieller Director seit NES Tagen bei Super Mario 64 um und vollführte damit „nebenbei“ auch das Kunststück, das 3D Zeitalter einzuläuten. Denn wie schon bei Super Mario Bros. Mitte der Achtziger, löste auch Super Mario 64 eine Revolution im Game-Design aus und stellte die Messlatte für alle nachkommenden Videospiele dar. Maßgeblichen Anteil an diesem Meisterwerk hatte nicht zuletzt der nicht minder revolutionäre Controller des N64. Und wieder war es Miyamoto, der an dessen Design mitgewirkt und sich für einen Analog Stick stark gemacht hatte. Super Mario 64 ist aber auch ein Beispiel, wie viel Einfluss Miyamoto inzwischen bei Entscheidungen hatte, denn nur weil dieser noch nicht zufrieden mit dem Ergebnis war, wurde gleich der ganze Starttermin des N64 verschoben, da SM 64 essenziell bedeutend für den 64-Bitter war. „Ein verschobenes Spiel ist vielleicht gut, ein schlechtes Spiel ist für immer schlecht.“, hat er daraufhin einmal selbst geantwortet.
 
Mit The Legend of Zelda: Ocarina of Time wurde diese Philosophie schließlich bis aufs Zahnfleisch der schmervoll wartenden Fans beherzigt, doch k einer konnte am Ende im Ernst behaupten, es habe sich nicht gelohnt. Noch heute gilt das Ende 1998 veröffentlichte Werk als das Citizen Kane unter den Videospielen und diesmal gab selbst der ansonsten so bescheidene Miyamoto zu, dass er selbst als offizieller Producer wirklich stark an der Entwicklung beteiligt war (z.B. sollen ca. 75 % aller Rätsel des Spiels von ihm stammen). Wie so oft waren es die kleinen Dinge, auf die Miyamoto seine Aufmerksamkeit richtete, wie dem bei Fans sehr geliebten Angelminispiel, bei dem Miyamoto die Atmosphäre seiner eigenen Angelausflüge in der Kindheit wiedergeben wollte.
 
Eigentlich doch kein Manager?
Selbstverständlich ist niemand unfehlbar und auch ein Shigeru Miyamoto ist letztendlich nur ein Mensch. Doch vor allem schien Miyamoto nie dem zu entsprechen, was man sich unter dem Begriff „General Manager“ im Allgemeinen vorstellen m ochte. Damit ist nicht nur seine stets zuvorkommende und humorvolle Art gemeint, sondern vielmehr einige seiner Entscheidungen, die geschäftlich gesehen wenig bis gar keinen Sinn machten, sondern eher schädigend für das Unternehmen waren. So war Miyamoto einer der größten CD-ROM Gegner während der Arbeit an der Nintendo 64 Hardware, der vor allem die schnelle Zugriffszeiten und die leichte Handhabung der Module für Kinder hervorhob. Wie bekannt, führte diese Haltung letztendlich zur Trennung von Nintendo und Square und hatte deutlich Anteil am durchschlagenen Erfolg der Sony PlayStation.
 
Ein weiteres Beispiel wäre Nintendos Haltung zum Onlinespielen während dieser nun zu Ende gehenden Konsolengeneration. Selbst die PR Leute des Kyotoer Konzerns hatten Schwierigkeiten, diese Einstellung wirklich zu erklären und gaben mit dem Kommentar, -Spiele bei denen man die Mitspieler auch wirklich sieht, sind doch viel besser- nur einen Teil der Lösung preis. Dabei sagte Miyamoto schon in einem Interview Ende 2000: „So etwas hören Videospiel-Reporter vielleicht nicht gerne, aber ich mag den Gedanken nicht, dass ein Vater von der Arbeit nach Hause kommt, um ganz allein ein Netzwerkspiel zu spielen und kein Interesse daran hat, seine Kinder anzusehen. Das Szenario behagt mir ganz und gar nicht.“ Es ist also Tatsache, dass Miyamoto im Ernst über eine soziale Verwahrlosung besorgt war, denn schon immer war es ein großes Anliegen von ihm, Menschen durch Videospiele zusammen zu bringen und nicht gar zu isolieren. Aus dem gleichen Denken heraus entwickelte er auch die Idee der unterschiedlichen Pokémon Editionen, die Spieler zur Kommunikation miteinander „zwingen“ sollten. Dass Nintendo nun (sehr spät) ebenfalls ins Online Geschäft einsteigt, mag auf der einen Seite eine Niederlage Miyamotos sein. Auf der anderen Seite zeigt gerade dieses Beispiel, dass sein Wunsch nach einer glücklichen Familie für jeden, viel mehr als hohles Imagegeschwätz darstellt. Miyamoto achtete beispielsweise auch bei der Erziehung seiner Kinder darauf, dass diese bei freundlichen Wetter stets im Freien gespielt haben und pro Tag höchstens eine Stunde mit Videospielen verbringen durften. Man mag diese Ansichten teilweise wohl mit Fug und Recht als für einen Mann mit seiner Entscheidungsgewalt deplatziert betrachten, aber als Mensch macht dies Shigeru Miyamoto noch ein ganzes Stück sympathischer.
 Autor:
Oliver Sautner
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