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Der Maler bei Nintendo - Shigeru Miyamoto

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Wilde Jahre
Im Alter von achtzehn Jahren erreichte Miyamoto das Kanazawa Munici College of Industrial Arts and Crafts in Kyoto und es sollte fünf Jahre und damit das doppelte der üblichen Zeit dauern, bis er diese Einrichtung wieder verlassen sollte. Denn anstatt dem Studium zu folgen, verwendete Miyamoto weiterhin viel Zeit zum Zeichnen und entdeckte eine weitere Leidenschaft: Die Musik. Zwar gehörten für ihn scho n vorher die Beatles zu einer seiner Lieblingsgruppen, aber die wirkliche Initialzündung für seine Musikbegeisterung erfolgte, als er während seines Studiums zum ersten Mal in Kontakt mit amerikanischer Bluegrass und Country Musik kam. Zu seinen Favoriten gehörten die „Nitty Gritty Dirt Band”,  “The Country Gentlemen” und David Grisman. Wie auch bei seiner Liebe zu Cartoons blieb es nicht lange beim unaktiven Part und so brachte er sich selbst das Gitarren spielen bei und suchte nach einem geeigneten Partner, der das Banjo spielen beherrschte, was sich in Kyoto als große Herausforderung herausstellte. Doch Miyamoto hatte Glück und fand einen talentierten Mann und so traten die beiden vornehmlich in Kaffee-Häusern, Bars und auf Partys auf. Gleichzeitig teilten die beiden die Jagd nach „Kentucky Colonels LPs“, die in Japan, im Gegensatz zu den USA, noch eine absolute Seltenheit waren. Als die beiden Hobbymusiker die Nachricht bekamen, dass Doc Watson nach Tokio reisen würde, taten sie ihm dies gleich, um den Musiker dort wenigstens einmal selbst zu sehen. Kurz: Miyamoto nutzte diese Zeit vor allem für das Studium über sich selbst.
 
Hinaus in die weite Welt
1977 verließ Miyamoto letztendlich doch noch mit dem Status eines studierten Industriedesigners das College und musste sich nun Gedanken über seinen weiteren Lebensweg machen. Von vornherein stand für den jungen Japaner aber fest, dass er niemals in einem typisch japanischen, streng strukturierten Unternehmen arbeiten wolle. Der Zufall half schließlich bei dieser schwierigen Suche, denn Miyamotos Vater hatte einen alten Freund, der zufällig auch Präsident einer Firma war, die sich in den letzten Jahren einen guten Ruf bei der Produktion für Spielzeug erworben hatte. Wie Miyamoto selbst war auch dieses Unternehmen namens Nintendo Company Limited gerade (wieder) auf der Suche nach der eigenen Zukunft: Gegründet im Jahr 1889 von Fusajiro Yamauchi und bis in die fünfziger Jahre vor allem als Hersteller von Hanafuda Karten („Blumenkarten“ – sehr hochwertig bemalte Spielkarten) bekannt, machte die Firma unter ihrem nunmehr dritten Firmenpräsidenten Hiroshi Yamauchi mehrere Experimente durch, wie der Einstieg ins Taxi- und Lebensmittelgewerbe (durch Instantreis), bis man sich auf den Markt für Spielzeuge konzentriert hatte. Ein viel lukrativeres und noch im Wachstum befindliches Gebiet sah Yamauchi jedoch in der Sparte der Videospiele, weswegen er nicht allzu begeistert von Shigeru Miyamoto war, als dessen Vater um einen Vorstellungstermin für seinen Sohn bat. „Wir brauchen Ingenieure und keine Maler!“, sagte Yamauchi daraufhin Miyamotos Vater ins Gesicht, ließ sich dann aber doch zu einem Vorstellungstermin durchringen. So kam es zum ersten Treffen zwischen Shigeru Miyamoto und Hiroshi Yamauchi und dem Firmenpräsidenten war dieser Typ mit der Beatles Mähne auf eine seltsame Art sofort sympathisch, sodass ein zweites Treffen vereinbart worden ist, bei dem Miyamoto auch eine Mappe mit Konzeptentwürfen mitbringen sollte. Das zweite Treffen verlief noch besser als das vorherige, denn Yamauchi war beeindruckt von Miyamotos vorgelegten Konzepten: So befanden sich in seiner Mappe Designentwürfe für Kleiderharken aus Holz für Kindergärten, da Miyamoto seine Besorgnis über die üblichen Harken aus Draht äußerte, an denen sich die Kinder verletzen könnten, während seine dagegen nicht nur sicherer, sondern auch augenfreundlich waren, da sie mit bunten Tierköpfen bemalt waren. Weiterhin befanden sich Entwürfe für eine Uhr, die in einem Vergnügungspark stehen sollte und für eine Kinderwippe, die von drei Personen gleichzeitig benutzbar war, in seiner Mappe. So kam es am Ende des Gespräches, dass Miyamoto bei Nintendo einen Job als „Staff Artist“ in der Tasche hatte.
 
Entdeckung eines Genies
In diesen ersten Jahren kümmerte sich Miyamoto fast ausschließlich um das Design der Spielautomaten und der dazugehörigen Werbeflyer Nintendos, obwohl er im Geheimen weiterhin nicht allzu viel von diesen Spielen hielt und voller Neid und Bewunderung auf den weltweiten Erfolg des Rubiks Cube (Zauberwürfel) blickte, den er gerne selbst erfunden hätte. Währendessen schritt die amerikanische Niederlassung Nintendos durch allzu viele Flops langsam aber sicher auf einen sicheren Bankrott zu. Einen Anteil daran hatte auch der „Radar Scope“ Automat. In diesen teuren Space Invaders Klon wurden große Erwartungen gesteckt und so orderte Nintendo of America Präsident und Schwiegersohn Yamauchis, Minoru Arakawa, gleich dreitausend Einheiten. Kein Glück war diesem Projekt beschert, als es letztendlich ganze vier Monate dauerte, bis die Automaten von Japan nach New York verschifft worden sind und Arakawa am Ende gerade einmal einen Drittel der Automaten auch verkaufen konnte. Yamauchi wollte nun soviel wie möglich aus dem gefloppten Automaten herausholen und so rief er Miyamoto in sein Büro und gab ihm die Aufgabe, ein Spiel basierend auf der Routine des „Radar Scope“ Automaten und der lukrativen „Popeye“ Lizenz, die Nintendo gerade erworben hatte, zu designen.
 Autor:
Oliver Sautner
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