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Frontal gegen die Wand?

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Einmal mehr hat sich unsere geliebte Frontal-Redaktion des Zweiten Deutschen Fernsehens dem Thema Videospiele gewidmet. Nach einem Gemetzel im Kinderzimmer wollte man diesmal jedoch subtiler an die Sache herangehen und zielte konkret auf das Thema Medienkompetenz. Für alle diejenigen unter euch, die das ganze nicht verfolgt haben, hier noch einmal der Inhalt laut Frontal 21:
"Kinder werden immer dümmer - Kinder und Jugendliche, die in großem Umfang fernsehen, Videos und Computerspiele konsumieren, müssen mit eklatanten Leistungseinbrüchen in der Schule rechnen. Zu diesem Ergebnis kommen jüngste Erhebungen des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen."

Wer nun aber hofft, objektiv über das Thema aufgeklärt zu werden, musste eine Enttäuschung erleben. Weder fanden Fernsehen und Videos einen Platz in der Sendung, noch wurde über die Chancen von den Neuen medienpädagogischen Ansätzen gesprochen. Dafür jedoch konnte die Redaktion das Thema Erfurt noch verramschen und ihren Kreuzzug gegen die Welt der PC- und Videospiele fortsetzen. Kinder, die zuviel vor dem PC oder Fernseher hocken und spielen, dass wies eine Studie endlich nach, lassen in der Schule deutlich nach. Ein findiger Schüler lieferte auch sogleich die Antwort: "Die schnelle Bildfolge." Gut, dass Frontal 21 nachhakte und klar stellte, dass Videospiele ablenken und Kinder das gelernte nicht verarbeiten lassen. Vor allem die bösen Action-Shooter verderben hierbei die sonst so fleißigen Zöglinge. "Per Mausklick in die Dummheitsfalle" so das niederschmetternde Urteil - "Bild" hätte es nicht besser sagen können. Und das Beste: Diese These gilt grundsätzlich - ohne Ausnahme!

Medienkompetenz? Gescheitert! Schließlich wissen die Eltern ohnehin nicht was die Kinder spielen, weil diese die Medien oft unbeaufsichtigt nutzen. Dem Chat entnimmt man dann, dass auch die Kampagne "Schau hin!" (u.a. Nena warb dafür, dass Eltern mehr darauf achten, was Kinder konsumieren) Humbug ist, weil Eltern so wieso keine Kontrolle haben. Gott sei Dank hat Frontal 21 den Überblick und fordert, wie soll es anders sein, Verbote. Wissensgesellschaft hin oder her, dass sei ohnehin nur eine Phrase, tönte der Schulpsychologe Werner Hopf im an die Sendung anschließenden Chat. Es ginge nur um das 1,8 Milliarden teure Spielegeschäft. Einleuchtend, technisches Know How braucht Deutschland sowieso nicht, die Weichen sind längst auf Billiglohnland für Industrieproduktion gestellt. Und falls doch, holen wir uns einfach ein paar Inder.

Kindern und Jugendlichen sollte der Zugang zum PC am besten verwährt werden, dann werden sie gar nicht erst süchtig. Dann kann das ZDF auch die ohnehin im Kreuzfeuer der Kritik stehende sündhaft teuere Online-Redaktion einsparen. Wenn eine Studie dann immer noch auf Verdummung durch Medien hinweist, streicht man noch das Fernsehen. Dann haben wir vielleicht endlich Ruhe vor "Big Brother", "The Swan" und "Heimwerken für jederman" und Deutschland hat endlich wieder mehr Zeit für sich.
Wirklich traurig ist nur, dass es wirklich Menschen gibt, die ein Problem mit der Sucht haben. Ein derart polarisierender Beitrag wird ihnen jedoch nicht dabei helfen, ihre eigene Sucht zu erkennen.

 Autor:
Martin Eiser
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